HANDBALL inside: Dormagen als Chance

Der Ruf des TSV Bayer Dormagen als herausragender Ausbildungsverein hat auch nach der wirtschaftlichen Zäsur 2011 nicht gelitten. Der Zweitligist produziert weiter Jungprofis wie am Fließband – und will weiter kontinuierlich wachsen.
Zum Beispiel Ian Hüter. Der gebürtige Neusser wechselte schon 2008, da war er noch nicht einmal elf Jahre alt, in das Sportinternat nach Dormagen. „Teilzeitinternat“, erklärt Hüter, nach dem Gymnasium gab es neben dem Training auch Hausaufgabenbetreuung, abends ging es dann nach Hause. Damals spielte Dormagen noch unter Trainer Kai Wandschneider in der 1. Liga, weshalb die Ziele des Jungen schon im ersten Jahr der C-Jugend klar waren. „Die Mannschaft damals war eine große Nummer“, erinnert sich Hüter. „Natürlich wollte ich da auch irgendwann spielen.“

Dieses Ziel hat Hüter, 22 Jahre, 1,96 Meter groß, inzwischen erreicht. Er spielt im mittleren Rückraum des TSV Bayer Dormagen in der 2. Liga, sein schnelles Spiel passt wie gemalt zu den „Wieseln“. Aktuell laboriert er an einer Fingerverletzung, aber er zählt mit seiner Spielübersicht zu den Pfeilern jenes Teams, das sich nach dem Aufstieg im Sommer 2018 wieder im Profihandball etabliert hat. Sein älterer Bruder Patrick, ein hoffnungsvoller Kreisläufer, und er sind sogar schon Nationalspieler – für die USA. Ihre Mutter stammt aus San Francisco. Im Sommer waren sie bei den Pan American Games in Lima, Peru. „Ein Wahnsinnserlebnis“, sagt Ian, der das Team als Kapitän anführte.

Die beiden Brüder Hüter unterstreichen, dass der Ruf Dormagens durch die Insolvenzen als herausragende Nachwuchsschule nicht gelitten hat. Vor der Zäsur 2011 waren unter dem Bayer-Kreuz Akteure wie Kentin Mahé, Adrian Pfahl, Sebastian Faißt oder Max Holst ausgebildet worden, doch ging es fast nahtlos weiter. Regisseur Simon Ernst (Füchse) bekam hier viele Einsatzzeiten, Kreisläufer Moritz Preuß (Magdeburg) begann schon in der E-Jugend in Dormagen, zuletzt schafften Lukas Stutzke (Bergischer HC) und Rechtsaußen Tim Roman Wieling (Stuttgart) den Sprung in die höchste Spielklasse.


Mit diesem Pfund wuchern die Verantwortlichen bis heute. „Die jungen Talente wissen, dass wir eine Chance für sie sind, sich zu zeigen, sich zu etablieren und weiterzukommen“, sagt Geschäftsführer Björn Barthel. Deshalb spiele das Finanzielle „nur eine zweitrangige Rolle“, so Barthel. Freilich wisse er wohl, dass auch die jungen Spieler mit dem Geld, das sie verdienten, klarkommen müssten.

Worauf er auch Wert legt: „Wir haben seit den Insolvenzen jedes Gehalt pünktlich überwiesen.“ Man wirtschafte, sagt er, wie seriöse Kaufleute. Der Etat, der im Vorjahr noch rund 700.000 Euro betrug, sei inzwischen auf knapp eine Million erhöht worden, damit liege man immer noch im unteren Drittel des Unterhauses. „Wir wachsen kontinuierlich“, sagt Barthel, viele Partner hätten ihr Budget im Bewusstsein erhöht, dass die Kosten ständig steigen.

Ihren Markenkern als Ausbildungsclub wollen sie auch in den nächsten Jahren untermauern. „Wichtig ist, dass wir in allen Klassen hervorragende Trainer haben, das beginnt schon in der E-Jugend, wo es Leute braucht, die auch Begeisterung vermitteln.“ Schon seit Jahren trainierten sie, nur ein Beispiel für die Trainingsqualität, auch in den Jugendklassen positionsspezifisch. „Das, was DHB-Sportvorstand Kromer gerade für die jüngeren Jahrgänge fordert, machen wir hier schon seit Jahren.“

Zugleich sei der Club bei der mittelfristigen Kaderplanung für die Profis sehr gefordert, wenn wieder zentrale Spieler das Team verlassen. Und so halten sie schon jetzt Ausschau nach geeignetem Ersatz für den Fall, dass junge Nationalspieler wie die Rückraumspieler Eloy Maldonado (Jg. 1998) oder Julian Köster (2000) den Club irgendwann verlassen. Der Vertrag von Ian Hüter läuft noch bis 2021, aber es klingt so, als könne er sich vorstellen, länger zu bleiben. „Irgendwann, das ist das Ziel, wollen wir hier wieder in die 1. Liga.“

Dieser Artikel stammt aus der HANDBALL inside AUSGABE #30 6/2019. Autor: Erik Eggers

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Quelle: PM HANDBALL Inside



  

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