Ein Sieg der Moral

Beim 24:26-Zwischenstand hatte der Bergische HC die Partie gegen die TSV Hannover-Burgdorf gefühlt schon verloren. Zu bitter schien der Verlust eines Fünf-Tore-Vorsprungs gewirkt zu haben. Doch die Löwen behielten die Nerven und erzwangen beflügelt von 2506 Zuschauern in der ausverkauften Klingenhalle den letzten Angriff beim 27:27. Fabian Gutbrod wurde in die Mangel genommen, doch mit aller Macht brachte der Rückraumspieler den Ball irgendwie zum 28:27 ins Tor. Ein unfassbares Ende.

Dass die Klingenhalle ein weiteres dramatisches Finale erleben würde, hatte sich lange nicht abgezeichnet. Die ersten Minuten gehörten ausschließlich dem BHC. Kristian Nippes setzte sich im Zweikampf zum 1:0 durch, Torhüter Tomas Mrkva hielt, Fabian Gutbrod erhöhte, Mrkva parierte erneut. Jeffrey Boomhouwer und per Dreher Linus Arnesson stellten auf 4:0, und nach einer Hannoveraner Auszeit gerieten die Löwen zwar ins passive Spiel, doch Gutbrod schloss nach einer Wurftäuschung trotzdem noch zum 5:0 ab. Erst danach erlöste Timo Kastening die Gäste, indem er die "Null" von der Anzeigetafel verschwinden ließ.

Zwar waren die Recken in der Folge besser im Spiel, doch der BHC blieb angeführt von seiner starken Deckung tonangebend. Vor allem Gutbrod trumpfte im Positionsangriff mit Toren auf, aber auch Boomhouwer erwies sich als extrem effizient. Weitere, ebenfalls hochkarätige Gelegenheiten entschärfte Urban Lesjak im TSV-Gehäuse. Dass es lediglich mit einem 12:9-Vorsprung in die Pause ging, lag an einer Abwehrumstellung der Hannoveraner. Trainer Carlos Ortega setzte auf eine 5:1-Variante mit Christian Ugalde auf der offensiven Position. Damit hatten die Bergischen deutlich größere Probleme als zuvor.

Nach Wiederanpfiff fanden die Löwen, die mit dem Spielmacher-Gespann Linus Arnesson und Tomas Babak im Rückraum agierten, aber wieder bessere Lösungen. Sie trafen durch Nippes, Arnesson und Gunnarsson, der aus spitzem Winkel versenkte. Als der Isländer dann auch noch im Zeitspiel aus dem Rückraum und Babak per Kempa-Trick erfolgreich waren, lag beim 18:14 und spätestens kurz darauf beim 20:15 ein Start-Ziel-Sieg für die Hausherren in der Luft.


Das Drama stand aber erst bevor: Fabian Böhm verkürzte und zog bei seinem Abschluss eine Zeitstrafe gegen Max Darj. Die hatte Folgen. Der BHC beging während der nächsten zwei Minuten drei Fehler, die zu Ballverlusten führten und Hannover zurück ins Spiel brachten. Timo Kastening warf die Kugel drei Mal ins zu Gunsten eines sechsten Feldspielers leere BHC-Tor. Beim Stand von 19:20 war alle Souveränität verloren. Trainer Sebastian Hinze nahm eine Auszeit, aber auch Lukas Stutzkes 21:19 brachte die Ruhe nicht wieder zurück.

Hannover nutzte die Gunst der Stunde, kam heran und profitierte von weiteren BHC-Ballverlusten, um zunächst 22:21 und später sogar 26:24 in Führung zu gehen. In dieser Phasen sahen plötzlich die Löwen wie die sicheren Verlierer aus. Was dann aber mit Hilfe der 2506 Zuschauer gelang, wird lange in Erinnerung bleiben. Die Mannschaft besann sich auf ihre Stärken. Nippes und Gutbrod verkürzten auf 26:27. Einen Ballgewinn nutzten die Gastgeber durch Boomhouwer zum Ausgleich. 90 Sekunden vor Schluss war wieder alles möglich. Der BHC verteidigte stark, Böhms Abschluss war auch nicht schlecht, landete aber knapp neben dem Tor. So gehörte der letzte Angriff des Spiels doch noch dem Bergischen HC. Der wollte diesen Sieg nun unbedingt und erzwang ihn durch Fabian Gutbrod. Dass Lesjak dran war und die Kugel nur knapp über die Linie trudelte, war Glück. Aber das interessierte in der Klingenhalle niemanden mehr. Die Erleichterung über diesen Sieg - nach acht Niederlagen in neun Spielen - war auf und neben dem Feld spürbar.

Löwengebrüll - die Stimmen zum Spiel

Antonio Carlos Ortega: „Die beiden Halbzeiten waren sehr unterschiedlich. Unser Start war sehr schlecht. Mit der 5:1-Abwehr hat es sehr gut funktioniert, und der BHC hatte viele Probleme im Angriff. In den letzten drei Minuten verlieren wir 0:3. Wir haben da nicht gut im Angriff gespielt, und in den letzten fünf Sekunden macht der Bergische HC das letzte Tor. Das ist Handball. Aber ich bin heute absolut nicht glücklich mit dem Start.“

Sebastian Hinze: „Ich bin natürlich sehr zufrieden. Es war klar, dass wir ein Ergebnis liefern mussten, um uns den Druck mal ein Stück weit zu nehmen. Das haben wir heute getan. Mit der Art und Weise bin ich über ganz große Teile einverstanden. Wir haben in der ersten Halbzeit nah am Optimum gespielt. In zwei Phasen machen wir jeweils vier Angriffe kein Tor. Die erste resultiert aus Bällen, die wir aus der zweiten Welle am Kreis und von der Siebenmeter-Linie verwerfen. Das ist völlig in Ordnung für mich. Die zweite ist vor der Halbzeit, als wir gegen die 5:1-Deckung angreifen und Probleme hatten, gute Chancen zu kreieren. Anfang zweite Halbzeit machen wir es gut gegen die 5:1, sehr geduldig, auch wenn es nicht immer schön aussah. Dann machen wir in Unterzahl leider drei technische Fehler und kriegen drei Mal den Wurf ins leere Tor. Und der Stress ist komplett wieder da bei den Jungs. Dann gehen wir ins Sieben gegen Sechs. Das ist meine Entscheidung, da All-in zu gehen. Das hat einen Angriff gut funktioniert, im zweiten nicht mehr. Dann lösen wir es auf und sind zwei hinten. Wir schaffen es aber in der Folge, wieder gut zu decken und Hannover keine Ballgewinne mehr zu geben. Die Fehler hätten uns fast um den verdienten Lohn gebracht. Insgesamt haben wir 45 Minuten eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt. Dann ist es heute auch mal egal, dass es ein sehr glücklicher Sieg war - vor allem, wenn man sich die letzten Wochen und vor allem Heimspiele gegen Spitzenteams ansieht.“

Jörg Föste: „Wir waren tatsächlich mal dran mit einem Sieg in einem derartigen Spiel. Wir haben die Grundlagen gelegt durch die aufopferungsvolle Deckungsarbeit. Wir haben gegen den Tabellendritten 21 Treffer kassiert - wenn man die sechs ins leere Tor mal abzieht. Speziell in der ersten Halbzeit haben wir gesehen, was es ausmacht, wenn man noch eine ausgezeichnete Torhüter-Leistung dazu addieren kann. Das war vielleicht die beste Hälfte der gesamten Saison. Hinten raus war es einfach auch eine Belohnung der Moral, mit der die Mannschaft die jüngsten Rückschläge weggesteckt hat. Man muss auch eins sagen: Die Halle hat natürlich auch geholfen.“


Spiel

Schiedsrichter: Fabian Baumgart und Sascha Wild
Siebenmeter: 0/1 - 1/1
Zeitstrafen: 2 - 2 (Darj(2) - Brozovic(2))
Spielverlauf: 2:0 (5.), 5:1 (10.), 6:4 (15.), 8:5 (20.), 12:7 (25.), 12:9 (30.), 16:11 (35.), 18:15 (40.), 20:18 (45.), 21:21 (50.), 23:25 (55.), 28:27 (60.)

Quelle: PM Bergischer HC 06



  

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