Emotionales Karriereende: so geht es Sebastian Weber

Der Kapitän des HSC 2000 Coburg beendet nach 15 Jahren im professionellen Handball seine Karriere ohne das erhoffte emotionale letzte Heimspiel. Wir haben nachgefragt, wie er damit umgeht.

Wer Sebastian Weber im Training oder im Spiel beobachtet, weiß schnell, welch emotionaler und durchweg professioneller Spieler er ist. Oder besser gesagt: war. Denn wie angekündigt beendet der Coburger Kapitän nach der Saison seine Karriere. Das letzte Spiel vor eigenem Publikum bleibt ihm aufgrund der Corona-Ausnahmesituation leider verwehrt – warum er trotzdem positiv in die Zukunft schaut und was er nach der Karriere plant, verrät uns der sympathische Hesse im Interview.

Sebastian, Du hast frühzeitig angekündigt, dass Du nach dieser Saison Deine Karriere beendest. Nun geht diese ohne ein weiteres Spiel zu Ende. Wie geht es Dir momentan damit?

Ich bin natürlich sehr traurig, dass ich mich nicht so verabschieden kann, wie ich mir das erträumt habe. Gerade der tägliche Kontakt mit meiner Mannschaft fehlt mir sehr und ich hätte den Aufstieg lieber sportlich fixiert, als am grünen Tisch. Mit dieser Einstellung stehe ich sicher nicht alleine dar, aber es gibt aktuelle einfach wichtigere Themen als den Sport und damit verbundene Einzelschicksale.
Mal abgesehen davon geht es mir gerade sehr gut und mein Tagesablauf hat sich nun etwas früher verändert als geplant, aber das hat auch viel Gutes. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Tochter, kann viel Sport in der Natur treiben und auch meine Freundin sehe ich nun endlich häufiger, da wir über die meiste Zeit eine Fernbeziehung geführt habe. An dieser Stelle nochmal danke, dass Du das alles so mitgemacht hast!


Zum Abschluss nochmals Meister: davon träumt eigentlich jeder Sportler. Wie erlebst Du diese Meisterschaft?

Erfahren habe ich von der Meisterschaft nach der Videokonferenz. Ich glaube diese war gegen 12 Uhr und ich musste genau um diese Zeit meine Tochter abholen. Konstantin Poltrum hat mich danach angerufen und es dann über die Freisprechanlage verkündet und wir haben uns sehr gefreut. Um ehrlich zu sein, gibt es da aber zwei Seiten. Einerseits bin ich aktuell sehr traurig, da ich mir den Abschluss meiner Karriere etwas anders ausgemalt habe und mich auf mein letztes Spiel, was ausgerechnet ein Heimspiel war, unglaublich gefreut habe. Die Stimmung in der Halle, verschwitzt nach dem Spiel die Party zu starten, all die Menschen, die mit uns feiern und natürlich der nächste Tag auf dem Rathausbalkon. Das sind Gedanken die mich unglaublich angetrieben haben. Zudem hätte ich meine Tochter gern noch einmal in der HUK-COBURG arena auf den Arm genommen. Das alles ist meine persönliche emotionale Geschichte, die mich aktuell sehr beschäftigt.
Auf der anderen Seite ist der Aufstieg das erreichte Ziel, das nicht nur ich mir persönlich so vorgestellt habe, sondern das Ziel welches wir uns als Team gesteckt haben. Und das ist letztlich das Entscheidende. Ich freue mich sehr, dass ich weiß das wir den Traum wahr werden lassen konnten und einige Spieler nächstes Jahr zum ersten Mal in der Bundesliga spielen. Ich kann es kaum erwarten, die Spiele zu sehen und hoffe, dass eben diese in nicht allzu ferner Zukunft stattfinden können.

Wenn Du auf Deine Karriere insgesamt zurückblickst: was waren Deine Highlights?

Letztlich waren die 15 Jahre ein einziges Highlight. Es gab Höhen und Tiefen, Auf-und Abstiege, Siege-und Niederlagen. Aus allem habe ich meine Lehre ziehen können. Von zahlreichen Personen, auf die ich im Laufe der Zeit getroffen bin, konnte ich etwas mitnehmen. Konkrete Highlights waren sicher die internationalen Erfolge mit der Juniorennationalmannschaft, die beiden Aufstiege mit dem TV Hüttenberg und dem HSC Coburg, auch die Abstiege mit eben jenen Teams waren sehr lehrreich. Meine Jahre bei meinem Heimatverein, der HSG Wetzlar waren toll, wir konnten oftmals die Klasse unerwartet halten und sind auch mehrfach im Mittelfeld gelandet. Alles in allem eine sehr bewegende Zeit.

Wie geht es für Dich weiter, was hast Du vor?

Ich werde zum einen mein Studium in Bamberg intensiver betreiben und suche dort gerade nach einem WG-Zimmer. Privat werden wir uns wieder nach Mittelhessen orientieren, da meine Freundin mittlerweile ihr Medizinstudium abgeschlossen hat und dort ihr praktisches Jahr absolviert. Im Bespaßen meiner kleinen Tochter entwickle ich mich auch weiter wie gewollt, und sie aufwachsen zu sehen ist unglaublich schön. Der Handball wird auch noch Teil der nahen Zukunft sein, da ich mich für die DHB-Trainerausbildung angemeldet habe und hoffe, dass diese auch wie geplant stattfinden kann. Es bleibt also spannend in unserem Leben und ich freue mich sehr auf die Zukunft.

Werden die Coburger Fans die Möglichkeit haben, sich nochmals persönlich von Dir zu verabschieden?

Mit Sicherheit. Nur wann ist die Frage. Ich hoffe, dass wir Möglichst zeitnah eine große Feier ohne gesundheitliche Bedenken starten können. Auch ein gemeinsames Grillen mit dem Fanclub steht noch aus. Das möchte ich natürlich sehr gern nachholen.

Einen lockeren Blick in die Zukunft: wie siehst Du die Chancen der Mannschaft in der Bundesliga?

Der Aufstieg am grünen Tisch bringt leider auch die Tatsache mit sich, dass es vier Absteiger gibt. Das macht es natürlich nicht leichter. Es wird sicher entscheidend sein, wie der Spielplan gestaltet ist, die einzelnen Spieler sich in der Liga zurechtfinden und die Mannschaft fit bleibt. Vielleicht gelingt es den Verantwortlichen ja, den Kader noch etwas zu verstärken und breiter aufzustellen. Das würde die Ausgangslage sicher noch einmal verbessern. Ich wünsche meiner Mannschaft, dass sie möglichst schnell Punkte holt und immer mutig bleibt. Respekt, aber keine Ehrfurcht hat und zu jedem Zeitpunkt die Unterstützung der Fans bekommt. Wenn es dann eng in der Tabelle wird ist alles möglich, da bin ich mir sicher. Ich drücke die Daumen und versuche möglichst viele Spiele zu sehen und hoffentlich oft vor Ort um sie anfeuern zu können!

Quelle: PM HSC 2000 Coburg


  

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