HANDBALL inside: Wie aus einem Drehbuch

Der Sydney University Handball Club ist eine Uni-Mannschaft, die regelmäßig die Ozeanien-Meisterschaft gewinnt und inzwischen einen festen Platz beim IHF Super Globe hat. Trainiert wird die bunte und internationale Truppe von Michael Roth.

Ist dieser Job ein Abenteuer oder ernst gemeintes Engagement?
Michael Roth: Wenn man die Rahmenbedingungen dieses Teams mit denen eines Bundesligisten vergleicht, dann muss man die Aufgabe sicherlich als Abenteuer einstufen. Doch ich nehme sie ernst und sie macht mir auch viel Spaß.

Ihr Team war auch beim diesjährigen Super Globe in Saudi-Arabien dabei und spielte zum Auftakt gegen den THW Kiel.
Roth: Das war für meine Spieler etwas ganz Besonderes, gegen den Deutschen Rekordmeister anzutreten. Meine Spieler kommen teilweise aus Polen, Brasilien oder Ungarn. Für diese Jungs sind die Namen Wiencek, Duvnjak oder Landin bestens bekannt. Wir sind mit sehr viel Respekt in diese Begegnung gegangen und haben letztendlich unser Ziel erreicht.


Wie lautete das Ziel?
Roth: Nur nicht abschmieren! (lacht) Verlieren ist gegen eine Startruppe okay, doch es ist nicht egal, wie.
Wir konnten ganz gut dagegenhalten und haben uns nicht überrollen lassen. Zur Halbzeit stand es 23:18. Das fand ich ganz passabel.

Stimmt es, dass die Spieler sich per Facebook für die Teilnahme bewerben?
Roth: Facebook ist auch ein Weg. Die motivierten Handballer schicken uns eine kleine Bewerbung, einen sportlichen Lebenslauf und teilweise auch Videos. Zusammen mit meinem französischen Kollegen, der die Trainingseinheiten der Jungs in Australien leitet und bei großen Wettbewerben als mein Co-Trainer agiert, sichten wir das Material und entscheiden, wer dabei ist und wer nicht.

Kann da jeder mitmachen?
Roth: Jeder, der Zeit und Lust hat und etwas Talent mitbringt. Die einzige Bedingung ist: Die Spieler dürfen keine Profis oder keine Profis mehr sein. Mein Team besteht ausschließlich aus Amateurhandballern.

Wenn beispielsweise Henning Fritz, László Nagy oder Jackson Richardson wieder Lust auf ein Spiel hätten …
Roth: ... dann dürften sie mitmachen. Sie sind ja keine Profis mehr und eine Altersgrenze gibt es bei uns nicht.

Früher ging es für Sie um Medaillen, Pokale und die Teilnahme am EHF Cup. Worum geht es jetzt, wenn sich Ihr Team warm macht?
Roth: Wir wollen ein Spiel beim Super Globe gewinnen. Das haben wir dieses Mal in Saudi-Arabien auch fast geschafft.

Wie haben Sie Ihre Jungs auf dieses mit Elite-Teams bestückte Turnier mit insgesamt zehn Mannschaften vorbereitet?
Roth: Wir schauten uns zum ersten Mal im August in Polen in die Augen. Am Vormittag trafen wir uns am Warschauer Flughafen, am Abend hatte ich schon meine Mannschaft und eine ziemlich klare Idee, was ich mit den Jungs spielen kann und will. Darauf habe ich das Trainingsprogramm der kommenden Tage ausgerichtet. Ich musste in kürzester Zeit ein richtiges Team bauen.

Klingt wie ein Drehbuch zu einem Film.
Roth: Es fühlt sich auch so an (lacht). Wir erleben in der kurzen Zeit so viele tolle und emotionale Momente zusammen, bevor sich das Team wieder auflöst. Es sind spannende Begegnungen, die dich im Nachhinein mit neuen Freundschaften auf der ganzen Welt bereichern. Wenn ich demnächst beispielsweise nach Brasilien möchte, könnte ich dort gleich drei Leute besuchen.

Was ist das Beste an diesem Engagement?
Roth: Jede Situation ist unwiederbringlich. Das Team, das in 2018 zusammengespielt hat, gibt es nicht mehr. Wir treffen uns, genießen die Zeit, kämpfen gegen die Besten der Handballwelt und die Truppe löst sich im Anschluss des Super Globe wieder auf. Es ist eine unglaublich intensive Zeit, die keiner so schnell vergisst.

Wie funktioniert der Handball-Alltag in Australien?
Roth: Es wird auch in Australien Handball gespielt, es gibt sogar so etwas wie eine Liga und einen Meistertitel. Australien hat gute Voraussetzungen für Handball, doch die Strukturen für mehr fehlen im Land.

Haben Sie auch schon „down under“ ein Meisterschaftsduell live erlebt?
Roth: Das habe ich. Ursprünglich wollte ich es mir auf der Tribüne ganz gemütlich machen, doch dann fehlte der Schiedsrichter und ich musste beim Finalspiel in einer neuen Funktion einspringen.

Sie als Schiri – war das nicht ungewohnt?
Roth: Ich denke, ich habe das ganz passabel gemacht. Es gab zumindest keine Beschwerden (lacht).

Sie leben inzwischen in Hamburg. Wie wird Ihr australisches Team aus der Ferne organisiert?
Roth: In der Organisation ist der ehemalige Schweizer Torwart Pascal Winkler als Team-Manager federführend. Er lebt in München und bedient sich aller Möglichkeiten, die heutzutage Social Media bietet. An Nachwuchs und engagierten Spielern wird es dem Club nie fehlen. Jeder Handballspieler, der aus Europa nach Sydney zieht, findet früher oder später den Weg zu diesem Club.

In der aktuellen Saison stehen Sie noch in Melsungen unter Vertrag. Werden wir Sie im Anschluss wieder auf der Bank eines Bundesligisten sehen?
Roth: Das wird sich zeigen. Ich bin ein Vollblut-Handballtrainer, der für diesen Sport brennt. Wenn alle Voraussetzungen stimmen, bin ich für eine neue Herausforderung in der Bundesliga offen. Allerdings habe ich in den letzten Monaten mit meinem australischen Team gelernt, wie viel Spaß, Entwicklung und weiteres Potenzial die kurze und intensive Zusammenarbeit bringen kann.

Also wird es doch eine Nationalmannschaft?
Roth: Auch das könnte ich mir inzwischen sehr gut vorstellen.

Dieser Artikel stammt aus der HANDBALL inside AUSGABE #29 5/2019. Autor: Zita Newerla Ha

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Quelle: PM HANDBALL Inside


  

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