EHF-Cup: Arg dezimierte MT verliert 26:29 in Portugal

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Die ohne Vier angetretene MT Melsungenunterlag im EHF Cup-Hinspiel am gestrigen Samstag in Lissabon dem portugiesischen Vertreter SL Benfica mit 26:29 (11:16). Zwar verbuchten die Nordhessen die zweite Spielhälfte für sich, was aber insgesamt nicht zu einem positiven Endergebnis reichte. Beim Stand von 27:21 waren 53 Minuten gespielt, als Johan Sjöstrand mit drei Paraden in Folge ein starkes Signal zur Aufholjagd lieferte und Kai Häfner im Gegenzug per Unterarmwurf auf 27:23 verkürzen konnte. Benfica wirkte nun im Angriff plötzlich nervös und produzierte einige Fehler. Aber der Tabellendritte der portugiesischen Liga brachte das Spiel geschickt über die Zeit und feierte einen verdienten Sieg. Beste Schützen vor 1.122 Zuschauern im Pavilhão da Luz Nº 2 waren Melsungens Spielmacher Lasse Mikkelsen (6/3) und Benficas Halblinker Petar Djordjic (9/1). Das Rückspiel in Kassel steigt am 28. März.

Verletzungs-, bzw. krankheitsbedingt musste die MT Melsungen in Lissabon gleich auf vier Stammkräfte verzichten. Neben dem rekonvaleszenten Felix Danner und den grippal außer Gefecht befindlichen Timm Schneider und Michael Allendorf, erwischte es vor Ort auch noch Finn Lemke. Der Kapitän, der in der Nacht vor dem Spiel 40 Grad Fieber hatte, musste den nächsten Tag im Hotelbett verbringen. So war schon vor dem Anpfiff das optische Übergewicht der Gastgeber erkennbar: Hüben wärmte sich das mit 16 Akteuren inklusive aller Asse vollbesetzte Gastgeberteam auf, drüben die mit zehn Feldspielern und zwei Torhütern arg ersatzgeschwächte MT.

Ungeachtet dessen verliefen die ersten knapp 9 Minuten sehr ausgeglichen. Die MT legte vor, Benfica glich aus und umgekehrt. Bis zum 3:3 hatten Kai Häfner, Yves Kunkel und Julius Kühn die Kontrapunkte zu den Aktionen von Toft Hansen und Petar Djordjic gesetzt. Während die Nordhessen in der Defensive mit einer gewohnten 6:0-Formation agierten, stellte Benfica ebenso wenig überraschend eine relative offensive 5:1-Variante mit einem sehr agilen Pedro Marques auf der Spitze. Zudem hatte Belone Moreira ein wachsames Auge auf seinen direkten Gegenspieler Julius Kühn.

Dass sich die Hausherren dann schnell mit zwei Toren absetzen konnten, verdankten sie zum einen einer Überzahlsituation, nachdem Julius Kühn eine Zeitstrafe aufgebrummt bekommen hatte und zum anderem dem glücklichen Umstand, dass Toft Hansen einen Abpraller zu fassen bekam und frei vom Kreis nachsetzen konnte. Nach weiteren fünf Minuten hatte Benfica den Abstand auf 8:4 vergrößert (15.).


Die MT-Abwehr tat sich gegen die schnell kombinierenden Portugiesen schwer, kam in einigen Situationen einfach den berühmten Schritt zu spät. Ein Grund dafür war auch, dass sich der Mittelblock – bedingt durch die Ausfälle von Danner und Lemke – nicht in der eingespielten Besetzung stellen ließ.

Nachdem Petar Djordjic in der 20. Minute das 11:7 erzielte hatte, nahm Heiko Grimm eine Auszeit, brachte anschließend Roman Sidorowicz für Julius Kühn und wechselte die Abwehrformation von 6:0 auf 5:1 mit Yves Kunkel auf der Spitze. Der Toreabstand zum Gegner konnte jedoch nicht entscheidend verkürzt werden. Reichmann und Sidorowicz sorgten zwar für das 11:8 und das 12:9, aber dann legte Benfica einen lupenreinen 4:0-Lauf aufs Parkett und damit den Grundstein für die spätere 16:11-Halbzeitführung. Daran hatte auch der ab der 22. Minute für Nebojsa Simic eingewechselte Johan Sjöstrand nichts ändern können. Zumal der Keeper nicht gerade die volle Unterstützung von seinen Vorderleuten erhielt.

Die Portugiesen begannen den zweiten Durchgang so, wie sie auch in das Spiel hineingegangen waren. Einzige Ausnahme war der Wechsel auf der Linksaußenposition, wo Fabio Antunes den Platz für Joao Pais einnahm. Die Abwehr agierte weiter in der wirkungsvollen 5:1-Version. Auf der anderen Seite nahm auch Heiko Grimm nur eine Veränderung vor: Domagoj Pavlovic kam für Lasse Mikkelsen.

Der ersten guten Aktionen nach Wiederanpfiff zeigte die MT: Johan Sjöstrand entzauberte den frei vor ihm auftauchenden Toft Hansen, den er noch aus geneinsamen Kieler Zeiten gut kennt, und im Gegenzug stellte Yves Kunkel auf 16:12. Im MT-Lager keimte Hoffnung auf. Die hielt auch nach dem Treffer von Belone Moreira an, den Tobias Reichmann mit dem Tor zum 17:14 (35.) beantwortete.

Die Portugiesen ließen sich davon nicht beirren. Im Gegenteil: Sie nutzten eine Überzahlsituation – Lasse Mikkelsen saß für zwei Minuten auf der “Strafbank” – zu zwei Treffern vom Kreis und aus dem Rückraum. Letzteren erzielte Petar Djordjic mit einem mächtigen Hammer aus dem Stemmschritt heraus. Dann stand Toft Hansen am Kreis wieder richtig, der den nächsten Knaller von?Djordjic – diesmal sprang der Ball vom Lattenkreuz zurück – verwertete. So hatten sich die Gastgeber innerhalb von nur vier Minuten mit 20:14 wieder zurück in ruhiges Fahrwasser manövriert.

Benficas Trainer nutze praktisch die ganze personelle Bandbreite seines Kaders, wechselte mit glücklicher Hand die richtigen Leute zur richtigen Zeit. Wie etwa Kevynn Nyokas, den Ex-Mannschaftskameraden von Julius Kühn beim VfL Gummersbach. Der sprunggewaltige Halbrechte setzte gleich nach seiner Einwechslung deutlich Zeichen, markierte das 21:15 und 22:16 – zwischendurch hatte Kai Häfner getroffen – und störte zudem als neuer Vorgezogener in der Abwehr den Aufbau des MT-Angriffs. Und als der bis dahin nicht sonderlich in Erscheinung getretene Fabio Antunes nach 40 gespielten Minuten von halbrechts auf 23:16 erhöhte, musste man aus Sicht der MT mit dem Schlimmste rechnen.

Heiko Grimm stoppte den Vortrieb der Gastgeber mit der Grünen Karte. Das war für nicht wenige der portugiesischen Fans offensichtlich eine willkommene Gelegenheit, die Halle zu verlassen. Denn gleich nebenan lockte das Fußballspitzenspiel zwischen Benfica und Braga. Die sangesfreudigen Unterstützer hatten genug gesehen und waren sich sicher, dass für ihre Farben hier nichts mehr anbrennen würde. Womit sie aber nicht ganz richtig lagen.

Denn die MT wollte sich dem drohenden Schicksal keineswegs fügen, sondern setzte alles daran, das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Erst nutzte Domagoj Pavlovic eine sich plötzlich auftuende Lücke zum 23;:17. Hinten agierte Melsungen wieder mit einer 5:1-Abwehr. Und trotz der Tatsache, dass Djordjic einmal mehr nicht zu stoppen war und auf der anderen Seite Reichmann von der Siebenmeterlinie und später Julius Kühn sogar frei von sechs Metern an dem bärenstarken Capdeville scheiterten, gelang es den Nordhessen, weiter Boden gut zu machen.

Das Signal zur Aufholjagd gab Johan Sjöstrand mit einer grandiosen Doppelparade gegen Djordjic – erst machte er dessen Strafwurf zunichte und dann auch gleich noch den Nachwurf. Und weil's so schön war, wehrte er einen weiteren Ball im darauffolgenden Angriff ab. Vorne traf Lasse Mikkelsen und hinten lief Sjöstrand zur Höchstform auf, kaufte auch Kreisläufer Paulo Moreno einen Ball ab. Im Gegenzug setzte sich Marino Maric zum 26:21 durch. Mittlerweile in der 53. Spielminute angekommen, netzte Benficas Spielmacher Pedro Marques zum 27:22 ein. Lasse Mikkelsen blieb cool, schaffte per Strafwurf postwendend das 27:22.

Dann folgten zwei feine Szenen der MT: Petar Djordjic haut einen verdeckten Unterarmwurf raus, aber Johan Sjöstrand ist erneut zur Stelle und bringt den Ball schnell ins Spiel. Auf der anderen Seite zeigt Kai Häfner, wie es richtig geht: Der MT-Halbrechte versucht es mit der gleichen Wurftechnik und lässt damit Gustavo Capdeville keine Chance – 27:23 (55.). Die Frage lag auf der Hand: Geht in den verbleibenden fünf Spielminuten für die MT noch was?

Im Nachhinein lässt sich das natürlich nur spekulativ beantworten. Hätte Domagoj Pavlovic nach dem Wiederanpfiff – die Portugiesen hatten nach Häfners Tor eine Auszeit genommen – eine aussichtsreiche Chance genutzt und Toft Hansen im Gegenzug nicht getroffen, ja was wäre dann vielleicht passiert? So aber ging das Match aufgrund der mehrheitlichen Führung in diesen 60 Minuten verdient an Benfica – wenngleich die MT in den letzten knapp 20 Minuten nochmal alles gegeben hatte und diesen Spielabschnitt sogar deutlich mit 10:6 für sich verbuchen konnte.

Stimmen zum Spiel

Heiko Grimm: Glückwunsch an Benfica zum verdienten Sieg. Unsere Schwäche lag heute eindeutig in der Abwehr, wo es uns zu selten gelungen ist, Zugriff auf den Gegner zu bekommen. Wir wollen da keine Ausreden suchen, wenngleich wir angesichts des Fehlens von vier Spielern gerade dort etwas umstellen mussten. Die Ausbeute im Angriff hätte sicherlich auch besser sein können. Da hat man gesehen, dass es oft Unsicherheiten beim Abschluss gab und den Spielern, wie sie auch selber sagen, das nötige Selbstvertrauen fehlte. Schon am Mittwoch müssen wir in Silkeborg antreten, was jetzt für uns zu einem sehr wichtigen Spiel in dieser Gruppenphase wird.

Petra Djordjic, Halblinker Benfica: Wir haben zuletzt in Silkeborg gesehen, dass wir – wenn wir unser Spiel und möglichst wenig Fehler machen und eine aggressive Abwehr hinstellen, eine sehr unangenehme Mannschaft sind. Wir wussten, dass Melsungen dezimiert ist und deshalb Probleme hat. Deswegen haben wir auch versucht, ins Tempospiel zu kommen. Wenn Johan Sjöstrand am Ende nicht noch so viele freie Bälle gehalten hätte, wäre das Ergebnis wahrscheinlich noch deutlicher ausgefallen.

SL Benfica - MT Melsungen 29:26 (16:11)

SL Benfica: Capdeville (1.-60. Min., 14 Paraden/25 Gegentore), Espinha (bei einem Siebenmeter, 0 P./1 G.) – Carvalho, Diogo, Marques 4, Pais, Toft Hansen 5, Nyokas 4, Moreira 3, Moreno, Pesqueira, Molina, Martins 2, Antunes 1, Djordjic 9, Pereira 1 – Trainer: Carlos Resende.

MT Melsungen: Simic (1.-21. Min., 3 Paraden/13 Gegentore), Sjöstrand (22.-60. Min. 9 P./16 G.) – Maric 1, Kühn 3, Reichmann 5, Ignatow, Kunkel 4, Mikkelsen 6, Sidorowicz 1, Häfner 5, Salger, Pavlovic 1 – Trainer: Heiko Grimm.

Schiedsrichter: Marko Boricic, Dejan Markovic (SRB)

EHF Delegate: Michel Caillet (FRA)

Strafwürfe: 2/3 – 4/5 (Djordjic scheitert an Sjöstrand, 54:17 Min. – Reichmann scheitert an Capdeville, 46:12 Min.)

Zeitstrafen: 10 Min. – 8 Min. (Pereira, 15:24 Min., 56:39; Marques, 38:38, Pesqueira, 45:12, Toft Hansen, 58:56 – Maric, 05:17 Min.; Kühn, 08:30; Kunkel, 23:29; Mikkelsen, 35:12)

Zuschauer: 1.122, Pavilhão da Luz Nº 2, Lissabon (POR)


Die nächsten Spiele:
Mi., 19.02.20, 18:45 Uhr, EHF, Bjerringbro-Silkeborg – MT Melsungen, Jysk Arena
So., 23.02.20, 16:00 Uhr, HBL, Eulen Ludwigshafen – MT Melsungen, Friedrich-Ebert-Halle
Do., 27.02.20, 19:00 Uhr, HBL, MT Melsungen – Bergischer HC, Rothenbach-Halle

Quelle: PM MT Melsungen


  

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